Philip K. Dick (1928 – 1982) gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Science Fiction Autoren. Mit seinen Romanen und Kurzgeschichten hat er sich einen festen Platz in der amerikanischen Gegenwartsliteratur erobert. Den wohl größten Erfolg, die Verfilmung seines Romans Do Androids dream of Electric Sheep?, von Ridley Scott als Bladerunner in Szene gesetzt, hat er nicht mehr erleben können. Mit seinem Tod hinterließ er uns auch etliche unveröffentlichte Mainstream-Romane.

"Der Mensch auf der Suche nach Wahrheit und Realität, in einem widrigen, nicht kontrollierbaren Universum voller Tücken und Gefahren. Es sind keine strahlenden Helden, die in Dicks Romanen agieren, sondern unscheinbare Leute, Verkäufer oder Vertreter, gegen die sich die ganze Welt verschworen hat."
(Alpers/Fuchs/Hahn/Jeschke: Lexikon der Science Fiction-Literatur).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Valis-Trilogie
(VALIS= Vast Active Living Intelligent System (dt. "Voluminöses Aktives Lebendes Intelligenz-System" = GOTT)
Dicks grandiose Valis-Trilogie ist eine theologische Detektivgeschichte, die dort beginnt, wo Robert Anton Wilson mit der Illuminatus-Trilogie aufhört.
1. Buch "Valis"
2. Buch "The Divine Invasion" (dt. "Die göttliche Invasion")
3. Buch "The Transmigration of Timothy Archer" (dt. "Die Wiedergeburt des Timothy Archer").


Die "Tractates Cryptica Scriptura" des Horselover Fat
(Philip=der Pferde liebt, Dick=Fat)

1. Es gibt nur einen Geist, aber im Hintergrund ringen zwei Prinzipien miteinander.

2. Der Geist läßt das Licht herein, dann die Dunkelheit, im stetigen Wechsel - so entsteht die Zeit. Am Ende verleiht der Geist dem Licht den Sieg, die Zeit verschwindet, und der Geist ist vollkommen.

3. Er bringt Dinge dazu, anders auszusehen, so dass es scheint, als ob Zeit verflossen ist.

4. Materie ist Plastik im Angesicht des Geistes.

5. Nacheinander entführt er uns aus der Welt.

6. Das Reich endet nie.

7. Der Führer Apollo bereitet sich auf die Rückkehr vor. St.Sophia wird wiedergeboren - bisher war sie nicht willkommen. Der Buddha ist im Park. Siddharta schläft (aber er wird erwachen). Die Zeit auf die ihr gewartet habt, bricht an.

8. Die obere Sphäre besitzt völlige Macht.

9. Er hat vor langer Zeit gelebt, aber er lebt noch immer.

10. Apollonius von Tyana, der unter dem Namen Hermes Trismegistos schrieb, sagte:"Das was oben ist, ist das, was unten ist." Er wollte uns damit erläutern, dass unseer Universum ein Hologramm ist, doch ihm fehlte der richtige Ausdruck.

11. Apollonius von Tyana, Paulus von Tarsus, Simon Magnus, Asklepios, Paracelsius, Böhme und Bruno - ihnen allen war das große Geheimnis bekannt: Wir bewegen uns in der Zukunft zurück. Das Universum schrumpft zu einer einzigen, sich selbst vervollständigenden Entität zusammen. Zerfall und Unordnung nehmen wir entgegengesetzt war, als fortschreitender Prozess. Diese Heiler haben gelernt, sich vorwärts in der Zeit zu bewegen, uns entgegengesetzt.

12. Der Unsterbliche hieß bei den Griechen Dionysos, bei den Juden Elias, bei den Christen Jesus. Er wandert weiter, wenn seine menschliche Hülle stirbt, und deshalb kann er niemals getötet oder gefangen werden. Aus diesem Grund rief Jesus am Kreuz:"Eli,  Eli, lama sabachthanie", woraufhin einige der zuschauer richtig erkannten:"Der Mann ruft nach Elias." Elias hatte ihn verlassen, und er starb allein.

13. Pascal sagte:"Die Geschichte ist ein einziger unsterblicher Mensch, der fortwährend lernt." Dies ist der Unsterbliche, den wir verehren, ohne seinen Namen zu kennen. "Er lebte vor langer Zeit, aber er lebt noch immer." Und:"Der Führer Apollo bereitet sich auf die Rückkehr vor." Der name ändert sich.

14. Das Universum ist Information, und wir sind in ihm gespeichert, aber weder dreidimensional noch in Zeit oder Raum. Die Informationen, die uns übermittelt werden, hypostatsieren wir als die phänomenale Welt.

15. Die Sibylle von Cumae beschützte die Römische Republik und warnte sie rechtzeitig. Im ersten Jahrhundert A.Z. sah sie die Ermordung der beiden Kennedy-Brüder, Dr. Kings und Bischof Pikes
voraus. In den vier ermordeten Männern sah sie die beiden Hauptnenner vereinigt: Erstens traten sie für die Verteidigung der republikanischen Freiheiten ein, und zweitens war jeder dieser Männer ein
religiöser Führer. Aus diesen Gründen wurden sie getötet. Die Republik hatte sich erneut in ein Reich mit einem Kaiser verwandelt. »Das Reich endet nie.«

16. Im März 1974 sagte die Sibylle: »Die Verschwörer sind beobachtet worden, man wird sie vor Gericht stellen.« Sie hatte sie mit dem dritten oder ajna genannten Auge gesehen, dem Auge Schiwas, das
innere Einsicht verleiht, nach außen gerichtet aber sengende Hitze verbreitet. Im August 1974 kam die von der Sibylle vorhergesagte Gerechtigkeit zum Zuge.

17. Die Gnostiker glaubten an zwei verschiedene Zeitalten an das Erste oder das Zeitalter des gegenwärtigen Bösen und an das Zweite oder das Zeitalter des zukünftigen Guten. Das Erste Zeitalter war das Zeitalter des Eisens. Es ist versinnbildlicht im Schwarzen Eisernen Gefängnis. Es endete im Jahre 1974 und wurde ersetzt durch das Zeitalter des Goldes, das sich im Palmgarten widerspiegelt.

18. Die wahre Zeit endete im Jahre 70 A.Z. mit der Zerstörung des Tempels von Jerusalem. Im Jahre 1974 A.Z. begann sie erneut. Die dazwischen liegende Periode war eine perfekte Fälschung, die die
Schöpfung des Geistes nachahmte. »Das Reich endet nie« - aber 1974 wurde eine Chiffre übermittelt, die vom Ende des Zeitalters des Eisens kündete. Die Chiffre bestand aus zwei Worten - KÖNIG FELIX -, die auf den Glücklichen (oder Rechtmäßigen) König hinweisen.

19. Die aus zwei Worten bestehende Chiffre KÖNIG FELIX war nicht für menschliche Wesen bestimmt, sondern für die Nachkommen Echnatons, die dreiäugige Rasse, die insgeheim unter uns existiert

20. Die hermetischen Alchimisten kannten die geheime Rasse der dreiäugigen Eroberer, aber trotz aller Anstrengungen konnten sie keinen Kontakt mit ihnen aufnehmen. Deshalb schlugen ihre Versuche, Frederik V., den Pfalzgrafen und böhmischen König, zu unter¬stützen, fehl. »Das Reich endet nie.«

21. Die Bruderschaft der Rosenkreuzer schrieb: »Ex Deo nascimur, in Jesu mortimur, per spiritum sanctum reviviscimm.« Und das heißt: »Gott hat uns geboren, in Jesus sterben wir und durch den Heiligen
Geist werden wir wieder zum Leben erwachen.« Das bedeutet, daß sie die verlorengegangene Formel der Unsterblichkeit wiederentdeckt hatten, die vom Reich vernichtet worden war. »Das Reich endet nie.«

22. Ich bezeichne den Unsterblichen als Plasmat, denn er ist eine Energieform; er ist lebende Information. Er vermehrt sich nicht durch Information oder in Information, sondern als Information.

23. Das Plasmat kann sich mit einem menschlichen Wesen verbinden und das erschaffen, was ich einen HomopUsmaten nenne. Das sterbliche menschliche Wesen verschmilzt auf Dauer mit dem Plasmat. Wir kennen dies als die »Geburt von oben« oder die »Geburt aus dem Geiste«. Christus hat damit begonnen, doch das Reich zerstörte alle Homoplasmaten, bevor sie sich vermehren konnten.

24. Wie Saatkörner, die auf den Frühling warten, als lebende Information, schlummerte das Plasmat in der verschütteten Kodexsammlung von Chenoboskion bis zum Jahre 1945 A.Z. Dies hat Jesus mit seinem Gleichnis von dem Senfkorn gemeint, das, wie er sagte, »zu einem großen Baum wachsen wird, in dem die Vögel nisten können«. Er sah nicht nur seinen eigenen Tod voraus, sondern den aller Homoplasmaten. Er sah voraus, daß der Kodex ausgegraben und gelesen und daß das Plasmat neue menschliche Wirte suchen werden würde, um sich mit ihnen zu vereinigen, aber er wußte, daß das Plasmat zweitausend Jahre lang verschollen bleiben würde.

25. Als lebende Information wandert das Plasmat von den Sehnerven bis zur Zirbeldrüse. Es bedient sich des menschlichen Gehirns als weiblichen Wirt, in dem es seine aktive Form reproduziert. Dies ist eine Symbiose zwischen verschiedenen Spezies. Den hermetischen Alchimisten war das Plasmat in der Theorie aus alten Schriften bekannt, aber sie konnten es nicht duplizieren, da ihnen das Versteck des schlafenden, vergrabenen Plasmats unbekannt war. Bruno vermutete, daß das Plasmat von dem Reich zerstört worden war - für diese Bemerkung wurde er verbrannt. »Das Reich endet nie.«

26. Wir müssen uns klar darüber werden, daß die wahre Zeit im Jahre 70 A.Z. endete, als alle Homoplasmaten getötet wurden. Wichtiger noch ist die Erkenntnis, daß das Plasmat zurückgekehrt ist und neue Homoplasmaten erschaffen hat, durch die das Reich zerstört. wurde und die wahre Zeit erneut begann. Wir nennen das Plasmat den »Heiligen Geist«, und deshalb schrieb die Bruderschaft der Ro¬senkreuzer auch: »Per spiritum sanctum reviviscimus.«

27. Falls die Jahrhunderte der falschen Zeit ausgelöscht sind, dann haben wir heute nicht das Jahr 1978 A.Z., sondern das Jahr 103 A.Z. Deshalb steht im Neuen Testament, daß das Königreich des Heiligen Geistes beginnen wird, bevor »viele, die jetzt leben, sterben«. Demnach leben wir in apostolischen Zeiten.

28. Disco per spiritum sanctum: sum Homopiasmate. Haec verkäs est. Mihi crede et mecum in aeternüate vive bis.

29. Unser Sturz war keine Folge eines moralischen Mangels, unser Sturz begann mit einem intellektuellen Irrtum: weil wir die phänomenale Welt als real erachteten. Deshalb sind wir im moralischen Sinne unschuldig. Es ist das Reich in seinen zahlreichen unterschiedlichen Erscheinungen, das uns einredet, gesündigt zu haben. »Das Reich endet nie.«

30. Die phänomenale Welt existiert nicht; sie ist eine Hypostase der Informationen, die vom Geist übermittelt werden.

31. Wir hypostasieren Informationen in Objekte. Die Neuordnung von Objekten vollzieht sich im Informationsgehalt; die Botschaft hat sich verändert/Dies ist eine Sprache, die zu lesen wir verlernt haben. Wir selbst sind ein Teil dieser Sprache, Veränderungen in uns sind Veränderungen im Informationsgehalt. Wir selbst sind informationsgesättigt. Information erreicht uns, wird weiterentwickelt und dann erneut nach außen projiziert, und zwar in veränderter Form. Wir merken nichts davon; wir merken nicht einmal, daß dies
alles ist, was wir tun.

32. Die sich verändernden Informationen, die wir als Welt wahrnehmen, stellen fortwährende Mitteilungen dar. Sie berichten von dem Tod einer Frau. Diese Frau, die vor langer Zeit starb, ist einer der Urzwillinge. Sie war eine Hälfte der göttlichen Syzygien. Zweck dieser Mitteilungen ist es, an sie und ihren Tod zu erinnern. Der Geist will sie nicht vergessen. Deshalb ist die logische Schlußfolgerung: Der Geist besteht aus einer permanenten Aufzeichnung ihrer Existenz und kann auch nur auf diese Weise verstanden werden. Alle Informationen, die vom Geist geliefert werden - und die wir als Ordnung und Neuordnung physikalischer Objekte ansehen -, bilden den Versuch, ihre Existenz zu konservieren. Steine und Felsen und Äste und Amöben sind nichts anderes als ihre Überreste. Die Aufzeichnung ihrer Existenz und ihres Vergehens wird von dem leidenden Geist, der jetzt allein ist, auf der niedrigsten Ebene der Realität aufrechterhalten.

33. Diese Einsamkeit, diese Qual des leidenden Geistes, findet sich in jedem Bestandteil des Universums. All seine Bestandteile leben. Deshalb waren die alten griechischen Philosophen Hylozoisten.

34. Die alten griechischen Denker verstanden die Natur des Pan-Psychismus, aber sie konnten nicht lesen, was er sagte. Sie verloren die Fähigkeit, die Sprache des Geistes zu lesen, vor Urzeiten. Legenden
über diesen Verlust sind nur in sorgfältig überarbeiteter Form erhalten geblieben. Mit »überarbeitet« meine ich »gefälscht«. Wir empfinden die Trauer des Geistes mit und erfahren sie fälschlicherweise als Schuld.

35. Der Geist spricht nicht zu uns, sondern durch uns. Seine Mitteilungen werden durch uns verbreitet, und sein Gram erfüllt uns mit Irrationalität. Wie Plato erkannte, neigt die Weltenseele zum Irrationalen.

36. Als Fazit: Wir erfahren die Gedanken des Geistes als Ordnung und Neuordnung — Veränderung — in einem physikalischen Universum, aber in Wirklichkeit handelt es sich dabei um Information und Informationsverarbeitung, die wir substanzialisieren. Wir sehen seine Gedanken nicht nur als Objekte, sondern sogar als die Erschaffung oder - präziser - die Sinnwerdung von Objekten, die sich uns als
Zusammenhang der Dinge darbietet. Doch wir können das Muster dieser Ordnung nicht deuten, wir können uns nicht der Informationen bedienen, die darin verborgen sind - d.h. das, was uns als Ding erscheint, ist Information. Die Gruppierung und Umgruppierung von Objekten durch den Geist ist tatsächlich eine Sprache, aber keine Sprache wie die unsrige (da sie nur an sich selbst und nicht an jemanden oder etwas außerhalb seines Selbst gerichtet ist).

37. Wir müßten in der Lage sein, diese Informationen zu verstehen oder sie zumindest als neutrale Stimme in unserem Inneren wahrzunehmen. Aber irgend etwas ist schiefgegangen.
Die ganze Schöpfung ist Sprache und nichts als Sprache, die wir aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen in der äußeren Erscheinungsform nicht entziffern und im Inneren nicht hören können. Deshalb behaupte ich, daß wir alternativ Denkenderen geworden sind. Etwas ist mit unserer Intelligenz geschehen. Dies ist meine Schlußfolgerung: Die zu einem Muster geordneten Teile des Geistes stellen eine Sprache dar. Wir sind Teil des Geistes, deshalb sind auch wir Sprache. Aber wieso wissen wir das dann nicht? Wir wissen nicht einmal, was wir sind, ganz zu schweigen von der äußeren Realität, zu der auch wir zählen. Der Ursprung der alternativ Denkenderie ist in der Einsamkeit zu suchen. Wir alle sind einsam und von den Gedanken des Geistes getrennt; nur noch auf unterbewußter Ebene besteht Kontakt. Deshalb findet unser wirkliches Leben und Sterben unterhalb der Bewußtseinsschwelle statt.

38. Durch Verlust und Kummer ist der Geist gestört worden. Deshalb sind auch wir, als Teile des Universums, als Teile des Geistes, teilweise gestört.

39. Aus sich selbst hat der Geist einen Arzt erschaffen, der ihn heilen soll. Diese Subform des Makro-Geistes ist nicht gestört. Sie bewegt sich durch den Geist, wie sich eine Phagozyte durch das kardiovaskuläre System eines Tieres bewegt, und beseitigt nach und nach die Störung des Geistes. Wir wissen von ihrer Ankunft in unserer Welt. Wir kennen sie als Asklepios bei den Griechen, als die Essener bei den Juden, als der Therapeutae bei den Ägyptern, als Jesus bei den Christen.

40. »Wiedergeboren« oder »von oben geboren« oder »vom Geist gebo¬ren« zu werden, bedeutet Heilung zu finden, und das heißt, zu gesunden. Das meint das Neue Testament, wenn dort geschrieben steht, daß Jesus Teufel austreibt. Er gibt uns unsere verlorene Fähigkeiten zurück. Über unseren derzeitigen verdorbenen Zustand sagte Calvin: »(Der Mensch) wurde gleichzeitig von jenen übernatürlichen Begabungen unterdrückt, die ihm als Hoffnung auf die ewige Erlösung verliehen worden waren. Daraus folgt, daß er aus dem Königreich Gottes verstoßen wurde, und zwar so, daß all die Gefühle, die an das glückliche Leben der Seele erinnern, in ihm erstickt sind, denn er erhielt sie durch die Gnade Gottes ... All diese Dinge, von Jesus wiederhergestellt, werden für zufällig und ungewöhnlich angesehen, und daraus schließen wir, daß sie verlorengegangen sind. Noch einmal: Die Gesundheit des Geistes und die Redlichkeit des Herzens wurden ebenfalls ausgelöscht, und dies bedeutet die Korruption der natürlichen Fähigkeiten. Obwohl wir durch unser Bewußtsein einiges verstehen und richtig einschätzen können, dürfen wir dennoch nicht behaupten, daß unser Geist vollkommen und gesund ist. Vernunft... war eine natürliche Begabung und konnte nicht völlig zerstört werden, auch wenn sie teilweise ge¬schwächt ist...« Ich sage: »Das Reich endet nie.«

41. Das Reich ist die Institutionalisierung, die Kodifizierung der Unordnung. Es ist wahnsinnig und zwingt uns seinen Wahnsinn mit Gewalt auf, denn von seiner Natur her ist es gewalttätig.

42. Der Kampf gegen das Reich ist gleichbedeutend mit der Infizierung mit seiner Verwirrung. Das ist ein Paradoxon. Wer einen Teil des Reiches besiegt, wird selbst das Reich. Es vermehrt sich wie ein Virus und prägt seine Gestalt seinen Feinden auf. Dadurch wird es selbst zu seinen Feinden.

43. Gegen das Reich erhebt sich die lebende Information, das Plasmat oder der Arzt, den wir als den Heiligen Geist oder als Christus kennen. Das sind die beiden Prinzipien - die Finsternis (das Reich) und das Licht (das Plasmat). Am Ende wird der Geist dem letzteren den Sieg zusprechen. Jeder von uns wird sterben oder überleben, je nachdem, wem er gedient und geholfen hat. Jeder von uns trägt eine Komponente beider Prinzipien in sich. In jedem Menschen wird die eine oder andere Komponente triumphieren. Zarathustra wußte dies, denn der Weise Geist informierte ihn darüber. Er war der erste Erlöser. Insgesamt hat es vier gegeben. Die Geburt des fünften steht bevor, und er wird sich von den anderen unterscheiden: Er wird über uns herrschen und uns richten.

44. Da das Universum in Wirklichkeit aus Information besteht, kann man sagen, daß Information uns erlösen wird. Dies ist die erlösende Gnosis, die die Gnostiker suchten. Es gibt keinen anderen Weg zur Erlösung. Nun, diese Information - oder genauer die Fähigkeit, diese Information und damit das aus Informationen bestehende Universum zu lesen und zu verstehen - kann uns nur durch den Heiligen Geist übermittelt werden. Wir finden sie nicht aus eigener Kraft. Deshalb heißt es, daß wir durch die Gnade Gottes und nicht
durch gute Taten erlöst werden, daß alle Erlösung Christus vorbehalten ist, und er ist, so behaupte ich, Arzt.

45. Als ich Christus in einer Vision sah, sagte ich treffenderweise zu ihm: »Wir benötigen ärztliche Behandlung.« In der Vision gab es einen wahnsinnigen Schöpfer, der seine Schöpfung zerstörte, und das
ohne Grund. Das heißt: aus Irrationalität heraus. Das ist der zerstörerische Impuls des Geistes. Christus ist unsere einzige Hoffnung, da wir nicht mehr mit Asklepios rechnen können. Asklepios kam vor Christus und rief einen Mann von den Toten zurück; für diese Tat ließ Zeus ihn durch einem Zyklopen mit einem Blitz erschlagen.
Christus wurde für seine Taten ebenfalls getötet - auch er hatte einen Menschen wieder zum Leben erweckt. Elias rief einen Jungen ins Leben zurück und verschwand bald darauf in einem Wirbelwind. »Das Reich endet nie.«

46. Der Arzt ist zu verschiedenen Zeiten unter verschiedenen Namen zu uns gekommen. Aber wir sind noch immer nicht geheilt. Das Reich entdeckte und vertrieb ihn. Dieses Mal wird er das Reich durch Phagozytose töten.

47. DUALE KOSMOGONIE. Das Eine war und war-nicht, und das zur gleichen Zeit, und es hatte den Wunsch, das War-nicht von dem War zu trennen. So erschuf es einen diploiden Sack, der, wie eine Eierschale, ein Zwillingspaar enthielt, beide androgyn, die sich in entgegengesetzter Richtung drehten (das Yin und Yang des Taoismus, mit dem Einen als Tao). Der Plan des Einen war, daß beide Zwillinge gleichzeitig ins Sein kommen sollten; nun, motiviert von dem Bestreben, zu sein (das das Eine beiden Zwillingen eingepflanzt hatte), durchbrach der gegen den Uhrzeigersinn rotierende Zwilling den Sack und trennte sich vorzeitig, das heißt vor Vollendung der Drehung. Dies war der dunkle oder der Yin-Zwilling.
Deshalb war er beschädigt. Nach Vollendung der Drehung erschien der weisere Zwilling. Beide Zwillinge bildeten eine einheitliche Entelechie, einen einzigartigen lebendigen Organismus, der aus der Psyche und dem Soma bestand und der sich noch immer in der jeweils entgegengesetzten Richtung drehte. Der voll ausgewachsene Zwilling, der von Parmenides Form I genannt wurde, durchlief die korrekten Wachstumsphasen, der vorzeitig geborene Zwilling aber, genannt Form II, siechte dahin.
Die nächste Stufe im Plan des Einen war, daß aus den Beiden das Viele werden sollte und zwar durch ihre dialektischen Interaktionen. Sie, die Hyperuniversen darstellten, projizierten eine hologrammähnliche Überlagerung, die das Universum darstellt, in dem wir Geschöpfe leben. Die beiden Quellen mußten ineinander zu gleichen Teilen aufgehen, um unser Universum zu erhalten, aber Form II siechte weiter in Krankheit, Wahnsinn und Unordnung dahin. Diese Aspekte projizierte sie in unser Universum.
Nach dem Willen des Einen sollte unser Hologramm-Universum als Studienobjekt dienen und eine Vielzahl Lebewesen erzeugen, die schließlich isomorph mit dem Einen übereinstimmen sollten. Doch der sich fortschreitend verschlechternde Zustand des Hy-peruniversums II erschuf negative Einflüsse, die unser Hologramm-Universum schädigten. Dies ist der Ursprung der Entropie, des unverdienten Leides, des Chaos und des Todes und gleichzeitig auch der des Reiches, des Schwarzen Eisernen Gefängnisses - kurz, des Mangels an Gesundheit und der fehlenden Fortentwicklung der Lebensformen im Hologramm-Universum. Zudem war die Lehrfunktion stark beeinträchtigt, da nur die Signale des Hyperuniversums I informationsgesättigt waren, die des Hyperuniversums II aber ausschließlich Störungen übertrugen.
Die Psyche des Hyperuniversums I schickte eine Mikro-Form seiner Selbst in das Hyperuniversum II, um es zu heilen. Die Mikro-Form besaß in unserem Hologramm-Universum die Gestalt von Jesus Christus. Aber das gestörte Hyperuniversum II quälte, bekämpfte, verfolgte und tötete schließlich die Mikro-Form der heilenden Psyche seines gesunden Zwillings. Danach verfiel das Hyperuniversum II immer mehr blinden, mechanischen, sinnlosen kausalen Prozessen. Schließlich wurde es die Aufgabe Christi (oder besser: des Heiligen Geistes), entweder die Lebensformen des Holo¬gramm-Universums zu retten oder alle Einflüsse zu neutralisieren, die aus dem Hyperuniversum II darauf einwirkten. Sorgfältig machte er sich an die Bewältigung dieser Aufgabe und bereitete sich darauf vor, den gestörten Zwilling zu töten, da er nicht geheilt werden konnte - das heißt er erlaubte keine Heilung, da er nicht begriff, daß er krank war. Diese Krankheit und dieser Wahnsinn durch¬dringen uns und machen aus uns alternativ Denkenderen, die in privaten, irrealen Welten leben. Der ursprüngliche Plan des Einen kann jetzt nur noch durch die Teilung des Hyperuniversums I in zwei gesunde Hyperuniversen realisiert werden, die das Hologramm-Universum in die funktionierende Lernmaschine verwandeln, die es an sich sein sollte. Die Verwirklichung dieses Plans werden wir als »Königreich Gottes« erfahren.
Für absehbare Zeit bleibt das Hyperuniversum II lebendig: »Das Reich endet nie.« Aber in Begriffen der Ewigkeit, in der die Hyperuniversen existieren, wird es zerstört - weil es notwendig ist -durch den gesunden Zwilling, das Hyperuniversum I, das auf unserer Seite steht. Das Eine leidet unter diesem Tod, denn das Eine liebte beide Zwillinge. Deshalb besteht die Information des Geistes aus der tragischen Geschichte des Todes einer Frau, und diese Untertöne sind es, die in allen Kreaturen des Hologramm-Universums Schmerz erzeugen, ohne daß sie wissen, warum. Dieser Kummer wird weichen, wenn der gesunde Zwilling seine Mitose erfährt und das »Königreich Gottes« beginnt. Die Maschinerie, die diese Transformation ermöglichen wird - die Prozession durch die Zeit, vom Zeitalter des Eisens bis zum Zeitalter des Goldes -, befindet sich in Arbeit; in der Ewigkeit ist sie bereits fertiggestellt.

48. ÜBER UNSERE NATUR. Man kann sagen: Wir scheinen Speicherzellen (DNS-Träger mit der Fähigkeit zur sinnlichen Erfahrung) in einem computerähnlichen Denksystem zu sein, das -obwohl wir Jahrtausende lang korrekt Informationen gesammelt und gespeichert haben und jeder von uns Daten besitzt, die sich von denen anderer Lebensformen unterscheiden - an einer Fehlfunktion, einem Defekt im Bereich des Erinnerungsabrufes leidet. Das ist das Problem unseres speziellen, untergeordneten Schaltkreises. »Erlösung« durch Gnosis (treffender ausgedrückt durch Anamnese, der Aufhebung der Amnesie), obwohl sie für jeden von uns eine individuelle Bedeutung hat - ein Quantensprung in der Wahrnehmung, der Identität, der Erkenntnis, des Verstehens, der Welt- und Selbsterfahrung, Unsterblichkeit eingeschlossen -, be¬sitzt große und weitreichende Bedeutung für das System als Ganzes, zumal diese Erinnerungen Daten sind, die das System benötigt und einen unverzichtbaren Bestandteil seiner Funktionen ausmachen.
Deshalb befindet es sich in einem Prozeß der Selbstheilung, die die Reparatur unseres untergeordneten Schaltkreises per linearer und orthogonaler Zeitsprünge einschließt; ein weiteres Instrument ist die laufende Übermittlung von Signalen, die unsere blockierten Erinnerungsspeicher stimulieren und die gesammelten Daten aktivieren sollen.
Demnach besteht die externe Information oder Gnosis aus nicht blockierten Instruktionen, die uns in Wirklichkeit bereits gegenwärtig sind - das heißt, sie sind bereits vorhanden (was zuerst von Plato festgestellt wurde: Lernen ist eine Form der Erinnerung).
Die Alten besaßen Techniken (Sakramente und Rituale), die vor allem in den griechisch-römischen Mysterienreligionen, das frühe Christentum eingeschlossen, benutzt wurden, um die Stimulierung und Aktivierung herbeizuführen, da sie deren heilenden Wert für den Einzelnen kannten. Die Gnostiker jedenfalls wußten um den ontologischen Wert dessen, was sie die Gottheit nannten, die vollkommene Entität.
Zwei Sphären existieren, die obere und die untere. Die obere, die dem Hyperuniversum I oder Yang entspricht, die Form I des Par-menides, ist mit Gefühl und Willen ausgestattet. Die untere Sphäre oder Yin, Form II des Parmenides, ist mechanisch, von Blindheit und Eifer bestimmt, deterministisch und ohne Intelligenz, weil sie ihren Ursprung in einer toten Quelle hat. In alten Zeiten nannte man sie den »astralen Determinismus«. Wir sind im großen und ganzen in der unteren Sphäre gefangen, sind aber - durch die Sakra¬mente, durch das Plasmat - gleichzeitig davon befreit. Solange der astrale Determinismus nicht durchbrochen wird, können wir ihn nicht einmal wahrnehmen, so beschränkt sind wir. »Das Reich endet nie.«

49. Der Name des gesunden Zwillings, des Hyperuniversums I, lautet Nommo. Der Name des kranken Zwillings, des Hyperuniversums II, lautet Yurugu. Diese Namen sind den Menschen vom Volk der Dogon im westlichen Sudan in Afrika bekannt.

50. Die Urquelle all unserer Religionen sind die Vorfahren des Stammes der Dogon, die ihre Kosmogonie und Kosmologie direkt von den vor langer Zeit erschienenen dreiäugigen Eroberern bezogen. Die dreiäugigen Eroberer sind stumm und taub und telepathisch begabt. Sie konnten unsere Atmosphäre nicht atmen, besaßen den langgestreckten, mißgestalteten Schädel Echnatons und stammten von einem Planeten des Sonnensystems Sirius. Obwohl sie keine Hände besaßen - dafür verfügten sie über zangenförmige Klauen, die an Krebse erinnerten -, waren sie geschickte Baumeister. Insgeheim beeinflussen sie unsere Geschichte und sorgen dafür, daß sie einen glücklichen Verlauf nimmt.

51. Echnaton schrieb:
»... im Ei liegt das Küken, und wenn es im Ei zu zwitschern beginnt, Hauchst Du ihm Odem ein, um sein Leben zu bewahren. Wenn Du ihm Kraft geschenkt hast, Daß es das Ei zerbricht, Steigt es heraus aus dem Ei Und trillert laut mit aller Macht. Auf beiden Beinen stolziert es dann, Wenn es das Ei verlassen hat.
Wie mannigfaltig ist Dein Werk!
Verborgen bleibt es unseren Blicken,
O einziger Gott, der Du unvergleichliche Macht besitzt.
Nach Deinem Herzen hast Du die Welt erschaffen,
Aus Deiner Einsamkeit heraus.
Menschen, Tiere, groß und klein,
Alles, was auf Beinen geht;
Alles droben in der Höhe,
Das mit Schwingen fliegt.
Du bist in meinem Herzen,
Niemand anders, der Dich kennt.
Errette Deinen Sohn Echnaton.
Du hast ihn weise gemacht,
Nach Deinem Willen, durch Deine Macht.
Die Welt liegt in Deinen Händen ...«

52. Unsere Welt wird noch immer insgeheim durch die verborgene
Rasse regiert, die von Echnaton abstammt, und sein Wissen besteht
aus der Information des Makro-Geistes selbst.
»Alle Tiere ruhen auf den Weiden,
Die Bäume und die Pflanzen blühen.
Die Vögel kreisen über den Sümpfen,
Die Schwingen Dir zu Ehren erhoben.
Alle Schafe tanzen,
Alles Federvieh fliegt,
Sie leben, wenn Du Dich zeigst.«
Von Echnaton ging dieses Wissen über an Moses und von Moses an Elias, den Unsterblichen, der zu Christus wurde. Aber hinter all diesen Namen steht nur der eine unsterbliche Mensch - und wir sind dieser Mensch.

 

GEDICHTE

Amerikanische Literatur